Diese Frage war der Anlass, unseren Substack zu starten. Mit unseren eigenen Analysen möchten wir natürlich auch zur Diskussion über eine neue strategische Ausrichtung der Sozialdemokratie beitragen. Aber vor allem wollen wir teilen und zusammentragen, was es bereits gibt. Daher hier als Service-Post eine kuratierte Landkarte des sozialdemokratischen Vorfelds, mit Magazinen, Zeitschriften und Podcasts. Die Abo-Preise beziehen sich auf die Printausgabe und den vollständigen Inlandspreis (also ohne Ermäßigungen). Wir werden diese Liste laufend aktualisieren.
I. Magazine, Zeitungen, Newsletter & Blogs
1. Klassisches SPD-Vorfeld
spw – Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft, seit 1978 lange Linien aus einer materialistischen Perspektive. Vier Hefte im Jahr erscheinen in Print als Mitgliederzeitschrift (ab 5€/Monat), alle Ausgaben sind aber auch als PDF frei zugänglich. Innerhalb der SPD eher linker Flügel, nach internen Neuorganisationen jetzt auch Online-Artikel, ein regelmäßiger Newsletter und Podcasts.
perspektiven ds – Zeitschrift für Gesellschaftsanalyse und Reformpolitik seit 1984, herausgegeben von der Hochschulinitiative DS (DS steht für demokratischer Sozialismus). Zweimal im Jahr, mit über 300 Seiten mehr Buch als Heft. Als Mitgliederzeitschrift (ab 60€/Jahr) oder einzeln im Schüren Verlag für je 17 €. Wissenschaftlicher Diskurs, eher linker Flügel der SPD, akademisch geprägt.
NG/FH – 1984 Zusammenführung der früher eigenständigen Magazine Neue Gesellschaft und Frankfurter Hefte. Zehn Ausgaben im Jahr (im Print-Abo für 74 €), inhaltlich Partei-Mainstream, steht der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) nah (Stipendiat:innen bekommen die Zeitschrift wohl automatisch).
Vorwärts – seit 1876 die Zeitung der SPD und zum 150. Geburtstag im September 2026 komplett neu aufgestellt. Statt Zeitung gibt es jetzt eine App, ein E-Mail-Briefing, einen WhatsApp-Kanal und Social Media, alles ohne Bezahlschranke. Das neue Leitbild heißt „Meinungsstark. Digital. Nah dran.“, Herausgeber ist der Generalsekretär, Chefredakteur Kai Doering. Zugänglich, aber mehr Parteileben als Grundsätzliches oder Strategie, direkt aus dem Willy-Brandt-Haus, daher eher unkritisch.
Mitbestimmung – Das Magazin der Hans-Böckler-Stiftung, akademisch, aber zugänglicher als die wissenschaftlichen Publikationen. Berichtet alle zwei Monate über Arbeitsrecht, Gewerkschaftspolitik und soziale Fragen aus gewerkschaftlicher Perspektive. Wer den Podcast „Systemrelevant“ hört (s.u.), findet hier die Printergänzung. Als PDF frei zugänglich.
Geldbrief – kostenloser Newsletter zu Wirtschafts- und Finanzpolitik vom Dezernat Zukunft, einer Berliner Denkfabrik. Etwas komplexer da er sich an Fachleute aber auch an eine interessierte Öffentlichkeit richtet. Weniger Parteistrategie, eher Impulsgeber für sozialdemokratische Wirtschaftspolitik.
IPG Journal – Herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung, mit Fokus auf Außenpolitik. Seit 2013 als Online-Magazin frei zugänglich, gilt als renommiert. Näher am Mainstream als am linken Flügel, aber klar sozialdemokratisch positioniert.
Neue Sozialdemokratie – brandneuer Substack einer Gruppe von innerhalb und außerhalb der SPD, unter anderem mit Arne Treves und Georg Diez. Will die sozialdemokratische Idee für das 21. Jahrhundert neu denken, vor allem entlang von Klima, Kapital und KI, ausdrücklich europäisch und vom Menschen aus statt von Systemen. Angestoßen auch durch Andy Burnhams Rede in Liverpool. Erscheint zwei- bis dreimal pro Woche.
2. Erweitertes Umfeld/Rot-Rot-Grün
Jacobin – Das bekannteste linke Magazin aus den USA, seit 2022 auch auf Deutsch, wobei einige Texte der englischsprachigen Ausgabe übersetzt gedruckt werden. Daher insbesondere die größere US-Website sehr lesenswert. Online kostenlos und im Jahresabo vier Print-Ausgaben für 45 €. Breite Leserschaft, zugänglich designt, dezidiert sozialistisch. Chefredakteurin war bis 2023 Ines Schwerdtner, heute Bundesvorsitzende der Linkspartei.
surplus – jüngeres Format, erscheint seit 2025 jeden zweiten Monat (im Abo ab 12€/Monat) mit der Champions League der progressiven Wirtschaftswissenschaften wie Adam Tooze, Thomas Piketty und Isabella Weber. Politisch Rot-Rot-Grün (R2G).
ProKla – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, erscheint seit 1971 quartalsweise (ab 49 € im Print-Abo), akademisch-marxistisch geprägt. Relevanter Ort für theoretische Debatten, die in der SPD selbst kaum stattfinden.
Die Progressive Lage - Der wöchentliche Newsletter vom Progressiven Zentrum. In Form einer Kolumne schreiben wechselnde Autor:innen über die aktuelle politische Lage, ordnen ein und geben Impulse. Kostenlos und kurzweilig.
3. Orientierung & Beobachtung
Blätter – Blätter für deutsche und internationale Politik, gegründet 1956, erscheint monatlich im Print und Online (105 €/Jahr). Linksliberaler Mainstream, sozialwissenschaftliche Perspektive auf aktuelle Politik, renommierte Stimmen aus Wissenschaft und Publizistik. Kein SPD-Vorfeld im engeren Sinne, aber fester Bestandteil des linken Milieus.
taz – Die Tageszeitung der deutschen Linken, seit 1979 als Genossenschaft organisiert. Kein Strategiediskurs im engeren Sinne, aber Tagespolitik aus linker Perspektive. Insbesondere Stefan Reinecke schreibt zur SPD.
Die ZEIT – Überregionale Wochenzeitung seit 1946, linksliberales Leitmedium. Für den sozialdemokratischen Strategiediskurs relevant vor allem durch einzelne Autoren wie Robert Pausch und Bernd Ulrich.
4. Einzeltexte & Papiere
Benjamin Mikfeld: Ein neues politisches Modell (März 2026) – Dreißig Seiten, die einen progressiven Republikanismus als Antwort auf die Krise der SPD entwickeln. Mikfeld war Leiter der SPD-Grundsatzabteilung und publiziert weiterhin auf seinem Blog.
II. Podcasts
1. Klassisches SPD-Vorfeld
buch/essenz – Die Friedrich-Ebert-Stiftung fasst hier Sachbücher (relativ kurz) zusammen und ordnet sie aus sozialdemokratischer Perspektive ein. Gut für einen ersten Überblick über relevante Neuerscheinungen, ohne jedes Buch selbst lesen zu müssen.
Systemrelevant – Herausgegeben von der Hans-Böckler-Stiftung. Fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über Arbeitsrecht, Ökonomie und Steuern, gut aufbereitet. Gewerkschaftsnah und zugänglich.
Unsere langen Linien – spw aktuell - Seit Juni 2026 gibt es zu jedem spw-Heft eine Podcastfolge mit der und dem Heftverantwortlichen.
Die Geldfrage – Podcast zum Newsletter des Dezernat Zukunft (s.o.), klarer wirtschaftspolitischer Fokus.
Zusammengedacht – Diskussions- und Interview-Podcast der SPD, anlässlich des Grundsatzprogrammprozesses gestartet. Hier sprechen SPD-Politiker:innen mit Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft. Bisher erst wenige Folgen und unregelmäßiges Erscheinen. Wir würden uns freuen, wenn das Format bleibt!
2. Erweitertes Umfeld/Rot-Rot-Grün
Transit Talk – Das Institut Solidarische Moderne ist eine Denkfabrik der Rot-Rot-Grünen Strömung und pflegt Kontakte in alle drei Parteien. Der Podcast bildet diese Breite ab, akademisch geprägt.
tl;dr – Theorie Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Vor allem zum Einstieg in sozialistische Theorie super.
Podcast Steuergerechtigkeit – Podcast des Netzwerk Steuergerechtigkeit zu progressivem Steuersystem. Spezialisiert, aber auch ohne Vorkenntnisse möglich.
Kunst der Freiheit – Benjamin-Immanuel Hoff, ehemaliger Leiter der Staatskanzlei in Thüringen unter der Regierung von Bodo Ramelow und heute Grundsatzreferent bei der IG Metall. Podcast und Substack kommen aus dem Umfeld der Linkspartei, sind aber inhaltlich breit und für sozialdemokratische Debatten anschlussfähig.
Surplus – Podcast zum Magazin (s.o.). Ökonomisch fokussiert, links der SPD.
Märkte, Mächte, Emissionen – Wirtschafts- und klimapolitisch, Heinrich-Böll-Stiftung mit Adam Tooze. Einer der wenigen deutschsprachigen Podcasts, der ökonomische Fragen konsequent aus einer linken Perspektive aufbereitet.
Ones and Tooze – Wieder Adam Tooze, diesmal auf Englisch. Große Bandbreite an Themen die aus linker und politökonomischer Perspektive wichtig sind.
The Breakdown – Englischsprachig, ökonomisch und klarer Fokus auf Klima und den globalen Süden. Hier gibts am ehesten mal Wachstumskritik.
3. Orientierung & Beobachtung
Der Wahlkreis – Ein Sonderformat des ZEIT-Nachrichtenpodcasts „Was jetzt?“, erscheint gegen Ende des Monats mit Lisa Caspari, Paul Middelhoff und Robert Pausch. Inhaltlich politisches Feuilleton mit einer Mischung aus aktuellen Beobachtungen aus dem politischen Berlin und Washington und „edition suhrkamp“- Lesekreis. Von Links bis Liberal, halt ZEIT-Umfeld.
The Ezra Klein Show – Podcast-Kolumne der New York Times und eine Institution in den USA, dementsprechend englischsprachig. Tagespolitik, lange Linien und große gesellschaftliche Fragen. Für die amerikanischen Demokraten eine wichtige Stimme, eher zentristisch und vertritt einen Big-Tent-Ansatz (Dem. Partei als ein großes Zelt mit Platz für Sozialisten bis hin zu moderat Konservativen). Spätestens mit seinem Buch Abundance auch im deutschen Diskurs relevant.
Über Rechts – Zwei unabhängige Journalisten, Nils Schniederjann und Sebastian Friedrich, beobachten die AfD und ihr Vorfeld. Auf Substack und im Podcast teilen sie fundierte und kritische Analysen. Für ernsthafte Gegnerbeobachtung.
Elefantenrunde – Wahlkampfstratege Frank Stauss und Journalist Hajo Schumacher reden wöchentlich über das politische Berlin, ihre Liveshow bewerben sie mit „News, Tratsch und Intrigen“. Auf der Liste steht der Podcast wegen jahrzehntelanger SPD-Wahlkampferfahrung und klarer sozialdemokratischer Haltung. Lockerer Ton, weirde Übergänge und manchmal etwas sprunghaft, am Ende ein paar Kulturempfehlungen.
Wir listen hier nicht alles auf, was es gibt – sondern was uns selbst überzeugt und wo heute noch aktiv publiziert wird. Wer trotzdem eine Quelle vermisst oder uns auf etwas aufmerksam machen will – gerne per DM oder per Mail an hallo@imvorfeld.de.


