2,90€
Für eine Mittagessengarantie
Auberginen-Kichererbsencurry mit Mandelreis, dazu ein Stück Obst – 2,90 €.
Das ist das Mittagessen meiner Unimensa an einem random Dienstag. Das Essen ist nie spektakulär, aber immer solide – eine sichere Bank. Es ist günstig, gesund und auch noch sättigend. In der Mensa kann ich Freund:innen treffen, in Ruhe Mittag essen und mich danach noch verquatschen.
Als die Linkspartei in Berlin vor kurzem Kietzkantinen forderte, bin ich hellhörig geworden. In einem detaillierten Entwurf, noch dazu gut gewordet, schlagen sie eine öffentliche Kantine in jedem Berliner Bezirk vor. Eine hervorragende Idee – aber was, wenn wir das skalieren? Öffentliche Kantinen in ganz Deutschland, „Einheitsbrei zum Mittagessen“ höre ich die CSU als politischen Arm der Gastronomie-Lobby schon skandieren. Aber können wir den Mittagstisch der Bäckerei um die Ecke nicht mit einbeziehen?
Gemüsefrikadelle, Paprikasoße und Salzkartoffeln, dazu ein Salat – 2,90 €
Mein Vorschlag: Eine Mittagessengarantie als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge. Ein Netz aus Angeboten, das vorhandene Strukturen einbezieht und neue ermöglicht. Neue kommunale und genossenschaftliche Kantinen. Vorhandene Mensen, ob in Krankenhaus, Uni, Schule oder Betrieb, öffnen ihre Türen für alle. KüfAs und Suppenküchen privater Initiativen werden integriert. Und auch die Bäckerei mit dem Mittagstisch oder der familiengeführte persische Imbiss um die Ecke sind dabei. Gefördert wird nicht der Betrieb, sondern das Angebot: ein bezahlbares Mittagessen zu fairen Arbeitsbedingungen. Wer die Standards erfüllt, bekommt die Subvention, für diesen Teller, nicht für den Rest der Karte. Wir spannen ein (Sicherheits-)Netz und schrauben die Qualität hoch. Nicht fades Krankenhausessen, sondern gutes, ausgewogenes, saisonales Essen für Alle - das ist die Vision.
Ofengemüse mit Rosmarinkartoffeln und einem veganen Kräuterdip, dazu ein Stück Obst – 2,90 €
Aber wieso so viel Geld und politisches Kapital für Mittagessen aufwenden? Naja, wie ging es dir, als du das letzte Mal dein Mittagessen ausgelassen hast? Außerdem haben viele Menschen gar keinen Zugang zu einer warmen, guten Mahlzeit am Mittag. Postbot:innen, Handwerker:innen, Essenslieferant:innen, wer draußen arbeitet, hat oft keine Kantine. Wer in einem kleinen Betrieb arbeitet, meist auch nicht. Das bedeutet täglich: schnell was einpacken oder ein schlechter Supermarktsalat mit Plastikgabel und erst recht keine richtige Pause.
Kichererbsen-Couscous-Pfanne mit Gemüse und Hirtenkäse, dazu ein Salat – 2,90€ bzw. 7,50€ für Externe - ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass aktuell bei der Grundsicherung nur 6,30€ am Tag für alle drei Mahlzeiten einplant sind…
Politisch adressiert der Vorschlag die drängendsten Probleme unserer Zeit: Bezahlbarkeit des Alltags, Klimakrise, zunehmende Einsamkeit, eine Demokratie die ohne Dritte Orte erodiert. Eine Mittagessengarantie ist eine Antwort auf alle vier. Sie macht gutes Essen erschwinglich, schafft Anreize für regionale und saisonale Küche, und baut Orte, an denen eine Rentnerin, ein Handwerker und eine Studentin am selben Tisch sitzen. Öffentliche Infrastruktur ist immer auch Umverteilung: finanziert durch ein progressives Steuersystem, kommt sie allen zugute. Ob Fundamentalökonomie oder Infrastruktursozialismus, der Gedanke ist derselbe: Grundbedürfnisse gehören der Marktlogik entzogen und in die Hände aller.
Schwäbische Käsespätzle mit Röstzwiebeln, dazu ein Salat – 2,90 €



